Portrait Christian Rahn von Christian Rahn, Geschäftsführender Gesellschafter
Ertrag Balkonkraftwerk: Wann lohnt sich eine Investition

Ertrag Balkonkraftwerk: Wann lohnt sich eine Investition

Haben Sie sich auch schon über Ihre hohe Stromrechnung geärgert? Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Teil Ihres Stroms einfach selbst erzeugen - mit einer Mini-Solaranlage, die Sie auf dem Balkon aufstellen und in die Steckdose stecken. Diese Geräte werden oft als Balkonkraftwerk, Solar-Balkonanlage oder Photovoltaik Balkon-Anlage bezeichnet - oft auch als Balkon Kraftwerk oder kurz Balkon Solar. Sie sind eine beliebte Möglichkeit, die eigene Stromrechnung zu senken. Der entscheidende Begriff hierbei ist der Ertrag des Balkonkraftwerks: die Gesamtmenge an Strom (in Kilowattstunden), die Ihre Anlage über ein Jahr produziert. Kurz gesagt: Beim Balkonkraftwerk-Ertrag zählt die über ein Jahr summierten und produzierten kWh. Ein hoher Ertrag bedeutet, dass Sie weniger teuren Strom von Ihrem Anbieter kaufen müssen, da Ihre Geräte den kostenlosen Sonnenstrom direkt verbrauchen. Hier erfahren Sie, was „Ertrag" in kWh und Euro bedeutet, wie sich der Ertrag Balkonkraftwerk realistisch einschätzen lässt und welche Faktoren Ihren persönlichen Ertrag beeinflussen.

Was ist eine Kilowattstunde (kWh) und warum ist sie bares Geld wert?

Um den Ertrag Ihres Balkonkraftwerks zu verstehen, müssen Sie nur eine einzige Einheit kennen: die Kilowattstunde (kWh). Stellen Sie sich eine kWh einfach wie einen Liter Wasser vor - es ist die Maßeinheit, in der Strom gemessen und abgerechnet wird. Jede Kilowattstunde, die Sie auf Ihrer Stromrechnung sehen, kostet Geld. Jede Kilowattstunde, die Ihr Balkonkraftwerk erzeugt, ist daher kostenlos.

Das Geniale daran ist der sogenannte Eigenverbrauch. Der von Ihrer Anlage produzierte Sonnenstrom fließt direkt in Ihr Hausnetz und wird von Ihren Geräten automatisch bevorzugt. Ihr Kühlschrank oder WLAN-Router bedient sich also zuerst am kostenlosen Sonnenstrom, bevor auch nur ein einziges, teures Watt aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. Sie müssen dafür nichts umschalten, es passiert von ganz allein.

Ihre reale Stromersparnis lässt sich somit ganz einfach berechnen: Multiplizieren Sie den Jahresertrag Ihrer Anlage (in kWh) mit Ihrem persönlichen Strompreis (in € pro kWh). Erzeugt Ihre Anlage beispielsweise 750 kWh im Jahr und Sie zahlen 35 Cent pro kWh, sparen Sie 262,50 Euro - direkt auf Ihrer Stromrechnung. Für eine noch genauere Kalkulation kann ein einfacher Balkonkraftwerk Rentabilitätsrechner helfen.

Thema aus der Praxis: Viele Kunden fragen sich, ob das Balkonkraftwerk an einer bestimmten Steckdose im Hausnetz angeschlossen werden muss, damit die Verbraucher auch vom selbst erzeugten PV-Strom profitieren. Die Antwort ist nein, denn die Stromzähler saldieren den Strom, sprich den Verbrauch und den Ertrag. Es spielt keine Rolle, an welcher Steckdose bzw. sog. Phase die Balkonanlage einspeist, so lange sich die Anlage im eigenen Hausnetz befindet.

Wie viel kWh erzeugt eine Photovoltaik Balkon-Anlage? Realistische Zahlen für verschiedene Anlagengrößen

Die wichtigste Zahl bei einem Balkonkraftwerk ist die Watt-Angabe (z.B. 800 W). Denken Sie an die Watt-Zahl wie an die Höchstgeschwindigkeit eines Autos: Sie gibt an, welche Leistung Ihre Anlage unter perfekten Bedingungen, also bei strahlendem Sonnenschein und idealer Ausrichtung, in einem einzigen Moment erzeugen kann. Sie sagt aber nichts darüber aus, wie viel Strom am Ende des Jahres zusammenkommt. Dafür ist der Ertrag in kWh entscheidend. Wer einen Photovoltaik Balkon plant, sollte deshalb auf jährliche kWh achten.

Für Sie als Nutzer zählt der über das ganze Jahr gesammelte Ertrag, denn dieser senkt Ihre Stromrechnung. Als gute Faustregel für den Ertrag eines Balkonkraftwerks in Deutschland bei Südausrichtung gilt: 600-Watt-Anlagen (2 Module) erreichen ca. 500-650 kWh pro Jahr, 800-Watt-Anlagen (2 Module) ca. 700-850 kWh, Balkonkraftwerk mit 1600 W Gesamtleistung ca. 900-1100 kWh und Balkonkraftwerk 4 Module mit 2000 W ca. 1100-1300 kWh pro Jahr.

Für den schnellen Überblick hilft eine Balkonkraftwerk Ertrag Tabelle:

Modulanzahl Modulleistung Süd Ost/West Nord
2 Module 600 W 500-650 kWh 400-550 kWh 300-400 kWh
2 Module 800 W 700-850 kWh 550-700 kWh 400-550 kWh
3 Module 1600 W 900-1100 kWh 700-900 kWh 550-700 kWh
4 Module 2000 W 1100-1300 kWh 850-1050 kWh 650-850 kWh

Der Wechselrichter ist hierbei eine Schlüsselkomponente. Dieses kleine Gerät wandelt den Sonnenstrom in Haushaltsstrom um und begrenzt als „Torwächter" die Einspeiseleistung auf die gesetzlich erlaubten 800 W (seit 2024, vorher 600W). Selbst wenn Ihre Module insgesamt 1600 Wp oder 2000 Wp Nennleistung haben, speist der Wechselrichter maximal diese Grenze ins Hausnetz ein. Der entscheidende Vorteil: Ein Balkonkraftwerk mit 3 Modulen oder 4 Modulen erreicht die maximale Einspeiseleistung auch bei weniger perfekten Bedingungen - morgens, abends, bei Bewölkung oder in der Übergangszeit. Mit nur 600 W oder 800 W Modulleistung läuft Ihre Anlage hingegen nur bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit auf voller Leistung.

Der Jahresertrag hängt dabei von der Kombination mehrerer Faktoren ab: Die Modulanzahl bestimmt, wie viele Stunden am Tag Sie die volle Leistung erreichen. Die Ausrichtung (Süd optimal, Ost/West für morgens/abends) und der Neigungswinkel (30-35° ideal) beeinflussen, wie effizient die Sonnenstrahlen eingefangen werden. Verschattung durch Bäume oder Gebäude sollte möglichst vermieden werden, da selbst teilweiser Schatten den Ertrag deutlich reduziert. Auch Ihr Standort in Deutschland und die Jahreszeit spielen eine Rolle - im Sommer produzieren Balkonkraftwerke bis zu fünfmal mehr als im Winter.

Auch wenn die Anlage nicht ständig mit voller Leistung läuft, ist der über das Jahr gesammelte Ertrag beachtlich. Als grober Richtwert für den Balkonkraftwerk 800W Ertrag pro Tag gilt: im Jahresmittel etwa 2 kWh, an sehr sonnigen Sommertagen 3-4 kWh und im Winter oft 0,5-1 kWh. Das Beste daran: Sie können diesen Ertrag durch die richtige Kombination aus ausreichender Modulleistung und optimaler Platzierung aktiv maximieren.

Balkonkraftwerk 800 Watt

Solar Balkonanlage Ausrichtung: So maximieren Sie den Ertrag mit Himmelsrichtung und Neigung

Sie haben es selbst in der Hand, wie viel Strom Ihre Anlage produziert. Die wichtigste Stellschraube für einen hohen Ertrag ist die Himmelsrichtung, in die Ihre Solarmodule blicken. Für den maximalen Ertrag über das ganze Jahr ist eine reine Südausrichtung unschlagbar. Hier fangen die Module über den Tagesverlauf hinweg die meiste Sonnenenergie ein.

Doch was, wenn Ihr Balkon nach Osten oder Westen zeigt? Keine Sorge, das ist oft sogar besonders clever. Eine Ost-West-Ausrichtung liefert Ihnen Strom genau dann, wenn Sie ihn am ehesten brauchen: morgens beim Frühstück und abends nach Feierabend. So nutzen Sie den erzeugten Strom direkt für Ihre Geräte und müssen weniger teuren Netzstrom einkaufen. Dies steigert Ihren Eigenverbrauch und damit Ihre Ersparnis.

Neben der Richtung spielt auch der Neigungswinkel eine Rolle. Um die Sonnenstrahlen möglichst im rechten Winkel zu treffen, wäre im Sommer ein flacherer und im Winter ein steilerer Winkel ideal. Als goldener Mittelweg, um den Solarmodul Neigungswinkel für das ganze Jahr zu optimieren, hat sich jedoch ein fester Winkel von etwa 35 Grad als perfekter Kompromiss bewährt.

Machen Sie sich jedoch keine Wissenschaft daraus. Auch eine einfache, senkrechte Montage am Balkongeländer liefert bereits einen beachtlichen Ertrag und macht ein Balkonkraftwerk schnell bezahlt. Wichtiger als die perfekte Ausrichtung ist, dass Ihre Anlage an den meisten Tagen des Jahres Strom erzeugt - selbst wenn der Himmel nicht strahlend blau ist.

Ertrag im Winter und bei Wolken: Was Ihr Kraftwerk leistet, wenn die Sonne nicht scheint

Viele fragen sich, ob sich so ein kleines Kraftwerk im eher grauen Deutschland überhaupt lohnt. Die klare Antwort ist: Ja. Zwar ist der Ertrag im Winter deutlich geringer, doch Ihre Anlage geht nicht in den Winterschlaf. Moderne Solarmodule sind so effizient, dass sie auch bei vollständig bedecktem Himmel Strom erzeugen, da sie das diffuse Tageslicht nutzen. Dieser Stromertrag bei Bewölkung ist zwar kleiner, aber er ist konstant und vor allem kostenlos.

Ein typischer monatlicher Vergleich für eine gut ausgerichtete 800-Watt-Anlage zeigt diese saisonalen Schwankungen: Im Juli (Sommer) erreicht sie ca. 100-120 kWh, während im Januar (Winter) nur etwa 20-30 kWh zusammenkommen. Der Ertrag im Winter beträgt also nur etwa ein Viertel des Sommerwerts. Das entspricht grob einem Balkonkraftwerk 800W Ertrag pro Tag von rund 3-4 kWh im Juli und etwa 0,7-1 kWh im Januar. Doch genau hier kommt ein wichtiger Begriff ins Spiel: die Grundlast. Dies ist der Strom, den Ihre Wohnung ununterbrochen verbraucht, selbst wenn Sie nicht zu Hause sind - für den Kühlschrank, den WLAN-Router und Stand-by-Geräte. Dieser Dauerstrom verursacht konstante Kosten auf Ihrer Stromrechnung.

Selbst der geringere Mini-Solaranlage-Ertrag im Winter ist oft ideal, um genau diese Grundlast über viele Stunden des Tages zu decken. Jeder Sonnenstrahl, ob direkt oder diffus, senkt also Ihren Basisverbrauch und spart Ihnen Geld.

Mehr zum Thema Balkonkraftwerk im Winter finden Sie in unserem Beitrag: Im Winter das Maximum aus dem Balkonkraftwerk rausholen

Ihr persönlicher Ertragsrechner: In 3 Schritten zur realen Stromersparnis

Wie viel sparen Sie also wirklich? Mit einer einfachen Formel können Sie Ihre persönliche Ersparnis schnell selbst überschlagen. Alles, was Sie dafür brauchen, sind eine realistische Schätzung und Ihre letzte Stromrechnung.

Bevor Sie losrechnen, bedenken Sie den größten Feind jeder Solaranlage: Verschattung. Schon der Schatten eines Baumes, eines Nachbargebäudes oder sogar des eigenen Balkongeländers kann den Ertrag drastisch senken. Ein Modul, das nur wenige Stunden am Tag im Schatten liegt, produziert in dieser Zeit fast keinen Strom. Der Einfluss von Verschattung auf den Solarertrag ist also enorm, weshalb ein sonniger Platz ohne Hindernisse entscheidend ist.

Prüfen Sie Ihre potenzielle reale Stromersparnis durch Ihr Balkonkraftwerk mit dieser einfachen Rechnung:

Jahresertrag schätzen: Rechnen Sie bei einer 800-Watt-Anlage mit ca. 700-800 kWh pro Jahr bei guter Südausrichtung ohne Schatten.

Strompreis finden: Schauen Sie auf Ihre letzte Stromrechnung (z. B. 0,35 € pro kWh).

Ersparnis berechnen: 750 kWh × 0,35 €/kWh = 262,50 € pro Jahr.

Noch komfortabler: Ein online verfügbarer Balkonkraftwerk Rentabilitätsrechner kann Annahmen zu Standort, Ausrichtung und Strompreis einbeziehen und Ihnen eine grobe Amortisationszeit ausgeben.

Eine unverschattete Fläche Richtung Süden, Westen oder Osten ist somit die wichtigste Voraussetzung für Ihren Erfolg.

Fazit: Wann sich die Investition in ein Balkonkraftwerk wirklich lohnt

Sie sehen Ihren Stromzähler jetzt mit anderen Augen - nicht mehr nur als ein Gerät, das Kosten zählt, sondern als einen Partner, den Sie aktiv entlasten können. Sie verstehen, wie aus Sonnenlicht auf Ihrem Balkon nutzbarer Strom wird und können selbst beurteilen, was ein guter „Ertrag" für Sie persönlich bedeutet.

Die Frage, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt, ist damit einfach beantwortet. Diese Investition zahlt sich bei aktuellen Strompreisen meist schon nach zwei bis drei Jahren aus. Danach ist das Stromsparen keine Anstrengung mehr, sondern eine spürbare jährliche Ersparnis.

Ihr Balkon ist somit mehr als nur ein Ort der Entspannung - er ist eine kleine, aber stetige Einnahmequelle. Der nächste Schritt ist ganz einfach: Beobachten Sie morgen bewusst Ihren Balkon und fragen Sie sich: „Wo scheint die Sonne am längsten?" Mit dieser simplen Beobachtung haben Sie den wichtigsten Schritt zur eigenen Stromerzeugung bereits getan.

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Portrait Christian Rahn

Über den Autor: Christian Rahn ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Balkonkraftwerk-Express (Jieee GmbH) und seit 2023 erfolgreich am Markt etabliert. Zuvor war er über 20 Jahre in leitenden Funktionen digitaler Geschäftsmodelle tätig, u. a. als Geschäftsführer bei lastminute.de, BlaBlaCar und Otovo.

Seit 2021 arbeitet er im Bereich Erneuerbare Energien: zunächst mit dem Aufbau einer Plattform für PV-Dachanlagen, ab 2023 mit Fokus auf Balkonkraftwerke und Mini-PV-Anlagen. Daraus resultierte die Gründung von Balkonkraftwerk-Express. Das Unternehmen hat seit Gründung über 25.000 Kund:innen gewonnen (Ø Bewertung 4,9/5) und erreicht einen Net Promoter Score von 90 (Stand August 2025). Privat betreibt er seit 2012 eine eigene PV-Dachanlage.

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